4. Zwischen Plessey und Trafalgar 1757 – 1805: 47-55:

1) Plessey (Palashi) ist eine Örtlichkeit ca. 150 km nördlich von Kalkutta in Westbengalen (Indien). Dort fand 1757 eine wichtige Schlacht statt, die die britische Macht in Bengalen, der damals reichsten Provinz Indiens, zementierte. Die britische Seite – in Gestalt der East India Company (EIC) – wurde geführt von Robert Clive (1725-1774). Kap Trafalgar ist ein Kap unweit von Gibraltar, aber schon im Atlantik an der Küste Andalusiens (Spanien) gelegen. Dort schlug die britische Royal Navy 1805 unter Admiral Horatio Nelson (1758-1805) die französisch-spanische Flotte vernichtend und markierte den Beginn eines langen Zeitalters starker britischer See-Dominanz und Weltherrschaft.

2) Aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) (WW0), der in Europa, Nordamerika und Indien tobte und nach Schätzungen um die 1 Million Tote hinterließ, ging – planetar gesehen – das Britische Empire als Sieger im Kampf gegen Frankreich hervor. Das britische Kolonialreich war inzwischen um ein Vielfaches größer als das französische. Die karibische Sklaven-Zuckerproduktion war die tragende Säule Nr. 1 des Empirehandels.

3) Indien: 1: Der 1. Hauptfaktor war die riesengroße Zahl von Fürstentümern – es wird von mehr als 500 ausgegangen. 1947 jedenfalls gab es offiziell 565 anerkannte Fürstenstaaten, die separat mit den Europäern verhandeln mochten. Ebenso war das Spektrum erstaunlich: Von winzig klein bis zu ziemlich mächtig und groß. Die zentralen Strukturen unter den Mogulherrschern Anfang des Jahrhunderts hatten sich aufgelöst. 2: Der 1. Hauptfaktor auf der britischen Seite war die EIC (die diese Zersplitterung natürlich genüßlich ausnutzen konnte; s. zur EIC unter Osterhammel/Jansen und Kolonialismus in diesem Blog). 3: Clive, der mehrfach als Governor nach Indien geschickt wurde, hatte sich schon im Ergebnis des Plessey-Krieges extrem bereichert, so daß er zu einer der reichsten Personen von GB geworden war. 4: Er führte ein System des (Pseudo-)“dual government“ ein: Mit der Finanzhoheit der EIC auf der einen Seite und dem nominell regierenden, aber von GB gänzlich abhängigen Navab von Bengalen. 5: Ideologeme: Anders als in Amerika, wo das Ideologem eines „Rechts zur kolonialen Ausbreitung“ angewandt wurde, bevorzugte man in Indien, mit Ideologemen wie „law and order“, „ancient rights“, „property and liberty“ zu operieren. Es begann auch eine Debatte, ob man in Indien mehr an die Kultur des alten Indien oder am GB-Rechtssystem anknüpfen solle. 6: Einer der Governeure (Hastings) wurde im House of Lords von Edmund Burke in einem Jahre daunernden (heute auf beiden Seiten scheinheilig wirkenden) Prozeß (1788-1795) dafür angeklagt, in Indien nicht nach (angeblichem) britischem Rechtsverständnis gehandelt zu haben.

4) Kanada: 1: Das Basismuster war: Starke französische (katholische) wie britische (protestantische) Orientierungen mußten (bis heute) zu einer neuen kanadischen Zusammenlebens-Relation zusammengeführt werden. 2: Die Briten machten seit 1774 riesengroße Zugeständnisse, um einer möglicherweise schrecklichen amerikanischen Zukunft zu entgehen: Religionsfreiheit: Die katholische Kirche blieb stärker anerkannt als in England selbst. Das französische Zivilrecht durfte beibehalten werden. Französisch blieb die Sprache der Verwaltung und des Alltags. Auf dieser Basis plädierte die katholische Geistlichkeit für das Bündnis mit dem britischen König. 3: Fahren wir heute in den St. Lorenz-Strom, die Hauptarterie Kanadas, ein und legen wir 3 aufschlußreiche Stops ein: 1. Québec, das frankophone Herz: Hier ist das französische Element absolut dominant (zu 95% wird französisch gesprochen). Sie haben haarscharf an den Ergebnissen von Referenden vorbeigeschrammt, die eine eigene Souveränität Québecs zum Ziel hatten. 2. Montreal: „Franglais„: Bi-lingualistische Verhältnisse zwar mit französischem Übergewicht, aber mit ständigem Wechseln auch ins Englische (aktuelleres Beispiel: Die Sportlerin Eugenie Bouchard). 3. Toronto, die englischsprachige Weltmetropole: Sie ist das wirtschaftliche Zentrum Kanadas und die einzige Metropolregion in Kanada, deren Bevölkerung weit über 5 Millionen liegt, und ist fast vollständig englischsprachig geprägt ist (zu 98%), ergänzt durch stärkeren Multikulturalismus. 4: Ausgreifen bis zum Pazifik: Mackenzie (1793) erreicht als erster per Land den Pazifik, während Kapitän Vancouver zur gleichen Zeit vom Pazifik her Kanada vermaß.

5) Irland: 1: https://internet-intelligentsia.de/2026/03/14/intro-fuer-stuchtey-geschichte-irlands/ könnte eine 1. Anlaufstelle für Sie sein. 2: Im Schatten der Amerikanischen, der französischen und der Industriellen Revolution entpuppte sich das irische Problem als höchst explosiver Dauerkonflikt. 3: Um 1750 war die katholische Mehrheit durch „Strafgesetze“ massiv benachteiligt (kein Landbesitz, kein Wahlrecht, keine Waffen). 4: Inspiriert durch den Amerikanischen Bürgerkrieg forderten die irischen Protestanten unter Führung von Henry Grattan mehr Autonomie. 1782 erlangt das Parlament weitgehende Unabhängigkeit von London – aber es bleib ein rein protestantisches Gremium. 5: Unter dem Einfluß der Französischen Revolution gründete der Protestant Theobald Wolfe Tone die Bewegung „United Irishmen“ (1791), die auf ein vereintes Irland aus Katholiken, Protestanten und Dissentern zielte. 6: Der blutigste Aufstand der irischen Geschichte war die Rebellion von 1798. Offiziell wurde die Ideologie der United Irishmen vertreten, aber in der Realität war der Haß zwischen den Religionen kaum zu bändigen. 7: Der Aufstand wurde von den Briten blutig niedergeschlagen (mit Zigtausend Toten inkl. Massakkern auf beiden Seiten), das irische Parlament wurde aufgelöst und es wurde von London aus das „United Kingdom of Great Britain and Ireland ausgerufen, (1800/1801). Die Eigenstaatlichkeit Irlands wurde damit für mehr als 100 Jahre unterbrochen.

6) Politisches Denken: 1: Diese Epoche war als ein Zeitalter der Extreme zwischen „Glauben“ und „Unglauben“ gesehen worden (Ch. Dickens/1859). 2: Zu bedeutenden politischen Autoren zählten: Adam Ferguson (1723–1816) war ein schottischer Philosoph und Historiker der schottischen Aufklärung. Er gilt heute als einer der Gründerväter der modernen SoziologieEdmund Burke (1729–1797) war der große Gegenspieler von Thomas Paine und gilt als der geistige Vater des modernen Konservatismus. Während Paine für den radikalen Bruch und das Recht jeder Generation auf Neuanfang stand, mahnte Burke zur Ehrfurcht vor der Geschichte. Jeremy Bentham (1748–1832) war der radikale Gegenentwurf zu Edmund Burke. Er gilt als Begründer des Utilitarismus – einer Philosophie, die Traditionen (wie Burke sie liebte) ignorierte und alles nach seinem praktischen Nutzen bewertete. 3: Was sich (hingegen) in der Realität im britischen „Staatsschiff“ ab Trafalgar volzog, war eine verstärkte Symbiose aus Monarchie, Nation und Empire, bei der die Royal Navy eine besondere integrative Kraft besaß (Nelson wurde schnell zum riesengroßen Helden stilisiert/Trafalgar Square in London). 4: Konkurrenten wie Frankreich verloren im Vergleich zu GB stark an relativer planetarer Bedeutung, z.B. besonders offensichtlich in Nordamerika.

7) Cook-Inseln 1773: 1: Der Name dieser Inseln geht auf James Cook (1728-1779) zurück (nicht zu verwechseln mit Thomas Cook); er war ein britischer Entdecker, Seefahrer und Kartograf. Er gilt als einer der fähigsten Navigatoren der Geschichte. Er war der Inbegriff des militärisch sozialisierten, als charismatisch und risikobereites Leitbild fungierenden Entdeckungsreisenden, der mit aufklärerischem Wissensdurst den kolonialen Herrschaftsanspruch unterstrich (seine französische Entsprechung war Louis Antoine de Bougainville). 2: Zwischen 1768 und 1779 leitete er drei Expeditionen in den Pazifik, die das Weltbild radikal veränderten: Er kartographierte die Küsten von Neuseeland und die Ostküste Australiens. Er suchte den sagenhaften Südkontinent (Terra Australis) und drang so weit nach Süden vor wie niemand zuvor. Er bewies, dass es dort kein fruchtbares Land, sondern nur Eis gibt (Antarktis). Er wies die Doppelinselnatur Neuseelands wie die Trennung Australiens von Neuguinea nach (usf.). 3: Die Cook-Inseln liegen im Südpazifik, Tausende von Kilometern von Neuseeland und Australien entfernt. Obwohl sie über ein riesiges Meeresterritorium von mhr als 2 Mio. qkm verteilt sind, ist das Territorium aller 15 Inseln zusammen etwas kleiner als die Fläche von Frankfurt am Main und die Einwohnerzahl liegt unter 20 000. 4: Cook´s berühmteste Schiffe waren die HMS Endeavour sowie die HMS Resolution (HMS steht für Her (His) Majesty´s Ship). 5: Die indigene Bevölkerung wurde das Opfer entweder kompletter vollzogener oder partieller Genozide oder massiver Zurückdrängungen verübt von den zugewanderten Europäern und ergänzt durch Sklaverei.

(27.3.26) (28.3.26)


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