1) Wovon ist die Rede: Andreas Kaplony (1960+) (https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Kaplony) ist Professor für Arabistik und Islam-Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat die Tradition eines umfassenden Sammelbandes zur „Geschichte der Arabischen Welt“ im Jahre 2024 fortgeführt, die 1987 von dem Islam-Wissenschaftler und Historiker Ulrich Haarmann (1942-1999) und anderen begründet wurde, von Heinz Halm (2001/2004) und anderen fortgesetzt wurde (diese älteren zwei Entwicklungsstufen sind zu alt, um an dieser Stelle noch Berücksichtigung zu finden) und schließlich kürzlich in einem monumentalen Band von 900+ Seiten unter Mitarbeit von 37 weiteren Wissenschaftlern (s. dort S. 903+) herausgegeben wurde. Der Preis ist 68 € für die Print- und 57,99 € für die Kindle-Version (zu hoch für eine E-Book-Version).
2) Ein Birds-View, also ein extrem kurzer Gesamtüberblick:
1: In dem Band wird konsequent von einem in „longues durées“ untergliedertem Regionalgeschichtlichem Paradigma, also im Wesentlichen von diesem einem Paradigma (bei gewissen Vernetzungen) ausgegangen.
2: Die Regionalgeschichte wird zu nicht weniger als 10 Regionalgeschichten aufgefächert: 1. Arabische Halbinsel mit Jemen. 2. Syrien-Palästina. 3. Irak. 4. Ägypten. 5. Nordafrika. 6. Iran, Zentralasien und Indien. 7. West- und Ost-afrika. 8. Byzanz. 9. Westeuropa. 10. Nord- und Süd-amerika.
3: Historisch werden im Buch 5 große Zeiträume unterschieden, deren Titel in verkürzter Form wiedergegeben werden: I) Altertum und Spätantike (-2500 bis +632) II) Das arabisch-islamische Imperium als Teil der Spätantike (632-800) III) Die Zeit der Arabisierung und Islamisierung (800-1250) IV) Arabische Kultur in der Vormoderne (1200-1800) V) Arabische Kultur als Teil der Globalkultur seit 1800.
4: Zur Ausrichtung: 1. Es wird großer Wert auf eine Quellen-gesättigte Darstellung gelegt. 2. Einige „Frameings“ werden aus der christlich-westlichen Welt übernommen: Die Zeitangaben vor und nach Christus; Begrifflichkeiten wie Moderne und Vormoderne. Ein alternatives islamisch-arabisches Begrifflichkeitenkorsett zeigt sich nicht.
5: Das Werk sei in geschickter Weise so angelegt, dass sowohl Fachleute als auch das breitere Publikum das Werk mit Gewinn lesen können – schreibt Kaplony in der Einleitung (XII): M. E. wird das Werk nur innerhalb der kleinen arabisch-islamischen wissenschaftlichen Zunft überhaupt gelesen werden – sein Urteil scheint mir eher eine Bewußtseinsverirrung aus dem akademischen Elfenbeinturm zu sein.
3) Welche Wissenschaftler schrieben die Beiträge und welche schrieben sie nicht (S. 903+):
1: Zuerst ist auf die vermutlich einmalige Leistung hinzuweisen, nicht weniger als 38 wissenschaftliche Autoren für diesen „Wälzer“ zusammengebracht zu haben.
2: Länder-spezifische Aufschlüsselung der Autoren: 1: In Deutschland (oder gekoppelt an Deutschland) arbeiten 26 dieser Personen. 2: Zusätzlich im „Westen“ arbeiten 12 Wissenschaftler, davon aus .fr 5, im absoluten Niedrigtrefferbereich (1 or 2 Personen) aus .us, .belg, .uk, .au, .es. 3: Und wer ist aus Arabistan dabei? Niemand! 4: Wer ist aus dem Rest des Planeten überhaupt, also von den 90+% der Weltbevölkerung dabei? Niemand. 5: Dieses Resultat ist verheerend und kaum überbietbar!
4) Was erfährt man in dem Buch etwa zum „Arabischen Frühling“ (2010+)?
1: Es ist absolut unverzichtbar in einer Geschichte der Arabischen Welt aus dem Jahre 2024, ein solches Thema abzuhandeln.
2: Das ist nicht so einfach herauszufinden: 1. Von den Unterkapitel-Überschriften gibt es keinerlei Anhaltspunkte (was suspekt ist). 2. Ein Sachregister fehlt, so dass auch dieser Zugangsweg abgeschnitten ist. 3. Über das E-Book könnte man eine Wörter-Suche durchführen (vielleicht liefere ich deren Ergebnis noch nach). 4. Das Regionalismus-Paradigma würde es natürlich erleichtern, solche supra-regionalen Ereignisse herauszuschmeißen (Kollateralschaden). 5. Hinzukommt kommt der strukturelle Aspekt, dass bei diesem „Wälzer“ eine politische Dimensionalität schwer aufzufinden ist, während ein in tiefer Vergangenheit wurzelndes und nicht besonders extra herausgestelltes Philologen-historisches Sprach-Paradigma sich durch den gesamten Band zieht (das erinnert an eine Variante des historischen Positivismus). Wer nicht beruflich aus dieser weiteren „akademischen Blase“ kommt, dem ist ebenfalls von diesem Buch abzuraten.
(15.10.26)
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