2) Die gewaltige Aufblähung des Britischen Empires bis ins Jahr 1919 – und die dramatische Zunahme der inneren wie äußeren Empire-Widersprüche:
1: Im weiteren Sinne gehörte 1919 ca. 1/4 der territorialen Oberfläche der Welt zum Empire. Ein gewaltiger imperialer Bogen reichte dabei von Gibraltar, Malta, Zypern, dem (von britischen bewaffneten Kräften kontrollierten) Suez-Kanal über Aden bis hin zu Ost-Bengalen. Als Kriegsgewinnler im WW1 waren diverse globale Territorien der unterlegenen Kriegsparteien hinzugekommen und wurden – wenngleich unter der neuen Chiffre Mandatssystem – kolonial eingemeindet.
2: Das Bild ist aber sehr fehlleitend, wenn man die nicht- oder anti-kolonialistischen Gegenbewegungen nicht berücksichtigt, die in schwer einzuordnende Größenordnungen anwuchsen: 1. An 1. Stelle ist hier „Rußland“ zu nennen. Das zaristische Rußland mutierte von einem britischen Allianzpartner in WW1 zu einer revolutionären bolschewistischen Herausforderung. 2. Bereits wenige Monate nach dem Oktoberumsturz 1917 begann das UK in 3/1918 die Intervention der schlußendlich 14+-Staaten gegen das Sowjetsystem, die erst im engeren Sinne Ende 1920, im weiteren Sinne in 5/1925 endgültig enden sollte, als die japanischen Aggressoren sich von der Halbinsel Sachalin zurückzogen. Die 1. britische Intervention galt Murmansk. Der treibende britische Kriegsminister Winston Churchill wollte den Bolschewismus „in seiner Wiege erwürgen“ (Quelle: KI-Modus). Die Interventionsversuche erfolgten in Phasen mit mehrfachen Pausen dazwischen. Die äußeren Interventionisten brauchten immer eine enge Kollobaration mit inneren Komplizen: Die größten und maßgebenden waren: Koltschak, Denikin und Wrangel. Das detailliertere Interventionsmuster könnte auch so interpretiert werden, dass es mehr um Destruktivität ging – Schwächung der Lebensgrundlagen der rußländischen Bevölkerung.
3: Klar scheint aber zu sein: Die Periode des Bürgerkriegs führte vor allem zu zivilen Toten im Millionenbereich, wohl noch soeben im einstelligen Millionenbereich; im Vergleich dazu war die Zahl der getöten Kombattanten zwar kraß geringer, aber auch noch wohl im Millionenbereich.
3) Das folgenreiche, im alten Stil geheim ausgehandelte Versailler Vertragssystem (1919):
1: Der Versailler Vertrag besiegelte das Ende von WW1 zwischen dem Deutschen Reich, welches zu den Verhandlungen nicht zugelassen war, und den Alliierten. Seine Kriegsverbündeten waren ebenfalls nicht zugelassen und für sie wurden eine Reihe von Extra-Verträgen ausgearbeitet. 2: Die 1. Pariser „Friedenskonferenz“-Metamorphose fand im großen Kreis mit 32 Nationen statt, was aber zu scheitern drohte. 3: Die 2. Metamorphose war der „Rat der 10“: Hier versammelten sich Premier- und Außen-minister von .gb (1), .fr, .us, .it und .jp (5). 4: Japan wollte zum Einen beim Kolonientausch in der Japan-nahen Sphäre möglichst viel absahnen – sie bekamen schließlich deutsches Kolonialgebiet auf der Halbinsel Shandong zugesprochen; zum Anderen wollte Japan einen Anti-Rassismus-Paragrafen verankert haben, der vehement von GB und Australien abgelehnt wurde. Trotzdem war die Mehrheit der Abstimmungsberechtigten dafür. Schlitzohr und Rassist Wilson, der den Vorsitz führte, erfand den folgenden Vorwand: Bei einer so wichtigen Entscheidung sei Einstimmigkeit gefordert; ein solches Kriterium existierte aber gar nicht. 5: Eine weitere Metamorphose war der „Rat der 4“ und der Übergang zu strenger Geheimhaltung. Italien hatte von diesen 4 die schwächste Position, war aber durch erhebliche territoriale Versprechungen in den Krieg überhaupt erst eingetreten. Es war aussichtslos in diesem Gremium, die grandiosen italienischen Phantasiegebilde zugesprochen zu bekommen, obwohl sie z.B. Südtirol bekamen. Das war dem italienischen Repräsentanten (Orlando) zu wenig und er reiste ab. 6: Da waren sie nur noch ein „Rat der 3„. Diese 3 (Lloyd George, Clemenceau und Wilson) praktizierten komplette Geheimdiplomatie und sollen sich mehr als 100 Mal getroffen haben. 7: China war auf Seiten der Alliierten in den Krieg eingetreten, also auf der Siegerseite, sollte aber hinnehmen, dass eine deutsche Kolonie auf seinem Territorium in eine japanische umgewandelt wurde. Hier zeigt sich (an weiterer Stelle) die tiefe kolonialistische Handschrift von Versailles. Die chinesische Antwort war die „Bewegung des 4. Mai 1919“, die mit 300 Pekinger Studenten begann, aber bald eine 6- oder 7-stellige Zahl von Menschen mobilisiert hatte und die Gründung der KP Chinas im Jahre 1921 ungemein begünstigte. Das Ansehen der verantwortlichen Mächte in China sank dramatisch. 8: Ein ähnlicher Sinkprozess vollzog sich auch in Japan – wenngleich nicht aus ganz denselben Gründen. 9: Die Inhalte des Versailler Vertrags wurden in Deutschland nach der Bekanntgabe als nichtabebbender kollektiver Schock empfunden. 10: Lenin betrachtete den Vertrag als ein räuberisches, imperialistisches Diktat und eine Bestätigung für seine „Imperialismus-Theorie“ (1915); er hoffte darauf, dass der Vertrag die „proletarische Revolution“ in Deutschland befeuern würde. 11: Summa summarum sollte man es auch so sehen: Mit welcher Anmaßung 3 Personen, 3 „Westler“, die Welt im Jahre 1919 herumgestupst haben, ist absolut weltrekordverdächtig im negativsten Sinne.
(27.7.26)
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