1) Zur kurzen Erläuterung der Überschrift: 1: Ab 1848/1849 kam es im Ergebnis von Goldfunden zu einer Bevölkerungsexplosion in San Francisco, ab 1851 zu einem ähnlichen Vorgang infolge von Goldfunden in Australien; daran schließt sich der Gold- und Diamanten-rausch ab 1886 in Südafrika an, der Johannesburg praktisch wie aus dem Nichts schuf. 2: Amritsar ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts eine Millionenstadt. Sie liegt (heute) im Nordwesten Indiens (im Fünfstromland) und ist nur ca. 50 km vom ostpakistanischen Lahore entfernt. 1919 verübten hier die Briten eines der übelsten Verbrechen ihrer Massakergeschichte.
2) Graphik (Linien-Diagramm): Entwicklung der Bevölkerungszahlen für den Zeitraum 1750 bis 2024 bezogen auf China, Indien, Afrika (Kontinent), GB, Kanada und Australien:
Das Linien-Diagramm wurde vom Google KI-Modus in wenigen Sekunden generiert. Alle 6 abgebildeten Entitäten spielen in Stuchtey-Kapitel 6 eine größere Rolle und die Graphik hilft bei einer historischen Langzeit-Vororientierung stark.
Die Daten verdeutlichen den massiven Anstieg in Indien und China, die heute jeweils über 1,4 Milliarden Menschen zählen. Besonders prägnant ist zudem das exponentielle Wachstum in Afrika, das seit der Mitte des 20. Jahrhunderts massiv an Fahrt gewonnen hat und heute rund 1,5 Milliarden Menschen beheimatet. Im Vergleich dazu wirken die Kurven von Industrienationen wie Großbritannien, Kanada und Australien aufgrund ihrer deutlich geringeren absoluten Zahlen fast flach, obwohl sie prozentual ebenfalls stark gewachsen sind.

Wichtige Beobachtungen im Diagramm:
- Indien & China: Beide Nationen dominieren die Grafik. Interessant ist der leichte Knick in China Ende des 19. Jahrhunderts (bedingt durch Kriege und Hungersnöte) sowie der aktuelle Trend, bei dem Indien China als bevölkerungsreichstes Land abgelöst hat.
- Afrika: Der Kontinent zeigt das steilste Wachstum in der jüngeren Geschichte. Während die Bevölkerung 1950 noch bei etwa 227 Millionen lag, hat sie sich bis heute mehr als versechsfacht.
- Industrieländer: Großbritannien, Kanada und Australien zeigen zwar stetiges Wachstum, bleiben im globalen Maßstab jedoch kleine Akteure. Das Wachstum in Kanada und Australien ist dabei stark durch Migration geprägt.
3) Die Zeit 1851 bis 1919 war eine Zeit einer bis dahin einmaligen Entwicklung der „Produktivkräfte“: 1: Maritimes: Die Metamorphosen von der Segel- zur Dampf-schifffahrt. Es gab auch übergangsweise Mischformen. Verfeuerung von Kohle hatte große Nachteile. Die Eröffnung des Suezkanals (1859) veränderte vieles: Wegen der dortigen Windstille war das für Segelschiffe eine No-Go-Zone. Andererseits verkürzte der Kanal etwa den Weg vom UK nach Indien um 2 Monate (dadurch gewann die Kolonie Ägypten und auch die Subkolonie Sudan einen neuen Status). Im britischen Naval „Defence“ Act (1889) wurde die Schlagkraft der Navy auf die Summe der Schlagkraft der beiden nächstfolgenden Seemächte fixiert. 2: Das Eisenbahnnetz vervielfachte seine internationale Schienenlänge in kurzen Zeiträumen: In Indien wurden allein in den 60er-Jahren mehr als 5000 Meilen verlegt. In Kanada war die Schienenverbindung zwischen Atlantik und Pazifik 1885/1886 fertig (der Bau war extrem verlustreich und wurde hauptsächlich von chinesischen Arbeitern realisiert – wie auch vielen indischen Arbeitern wurde ihnen das Leben nach Abschluß ihrer Arbeiten – zur Hölle gemacht). Einige Motive spielten eine Rolle: Rohstoffe herbei- oder weg-transportieren. Desgleichen Militär-Kontingente. Schaffen von Eisenbahnlinien-nahen Siedlungsräumen. 3: Kommunikation: Telegraphenkabel: Zwar war bei der Übertragung des Elektrischen die „Lichtgeschwindigkeit“ im Spiel, aber es gab noch andere Faktoren, die die Übertragung verlangsamten, wie z.B. Relais-Stationen. Trotzdem war das im Ergebnis eine Verschnellerung von Wochen auf Stunden. 4: Der Australier Thomas Mort (1816-1878) erfand das Prinzip und die Umsetzung von Kühlmaschinen, die es ermöglichten z.B. Fleisch sofort zu gefrieren, um es danach über riesengroße Distanzen transportieren zu können – was den Beginn der modernen globalen Lebensmittelindustrie, also den Beginn des modernen „humanen“ tierischen Schlachtfeldes, markierte.
4) Indien im 3. Viertel des 19. Jahrhunderts: 1: Indien, der einzige „Elefant“ im britischen Kolonialreich, wurde mit dem 1857 ausbrechenden Sepoy-Aufstand (Sepoys sind die indischen Soldaten der britischen Armee) zu einem britischen, aber mehr noch zu einem indischen Trauma. Im Rahmen der Einführung modernerer Gewehre in der indischen Armee wurden mit Schweine- und Rinder-fett gewachste Patronen eingeführt, was sowohl die religiösen Gefühle der Hindus (Rind als heiliges Tier) als auch der Muslims verletzte (Schwein als unreines Tier). Dieser Aufstand wird heute von vielen Indern als 1. Unabhängigkeitskrieg positiv gesehen. Er breitete sich schnell in Nord- und Zentral-indien aus. Der letzte Großmogul wurde (kurzzeitig) zum Kaiser von Indien ausgerufen. Der Krieg wurde mit großer Brutalität geführt. Schätzungen (laut KI-Modus) sprechen von mindestens 800 000 Toten auf der indischen sowie etwa 6000 Toten auf der britischen Seite. Er besiegelte das Ende der Herrschaft der aggressiven EIC, die britische Krone übernahm die Herrschaft direkt (finanziert durch indische Steuern), Queen Victoria wurde schließlich 1876 zur Kaiserin von Indien und zur Fortsetzerin der Mogulherrschaft ausgerufen (da ist viel mittelalterliche britische Symbolpolitik dabei).
5) Afrika und das Britische Empire 1850 bis 1920:
1: Frage HzK: Kannst du mir einen kurzen Überblick zur Geschichte des British Empire in Afrika im Zeitraum 1850 bis 1920 geben?
2: Antwort Google KI-Modus: Das British Empire in Afrika wandelte sich zwischen 1850 und 1920 von einer Kette loser Handelsposten zu einer fast durchgehenden Landmasse unter britischer Flagge.
1. Die Phase der Erkundung (1850–1880)
- Informelle Herrschaft: Großbritannien kontrollierte vor allem strategische Küstenpunkte (Kapstadt, Lagos). Das Hinterland blieb weitgehend unberührt.
- Mission & Forschung: Männer wie David Livingstone erkundeten das Innere. Ihr Fokus lag auf der Bekämpfung des Sklavenhandels und der Suche nach den Nilquellen.
- Der Wendepunkt (1869/1875): Mit der Eröffnung des Sueskanals und dem Kauf der Kanalaktien durch Disraeli wurde Ägypten zur lebenswichtigen Schlagader nach Indien.
2. Der „Scramble for Africa“ (1880–1900)
- Berliner Konferenz (1884/85): Die Aufteilung Afrikas wurde formalisiert. Großbritannien sicherte sich riesige Gebiete in West-, Ost- und Südafrika.
- Wirtschaftliche Eroberung: Sogenannte „Chartered Companies“ (wie Cecil Rhodes‘ British South Africa Company) übernahmen im Auftrag der Krone die Verwaltung und Ausbeutung von Rohstoffen (Gold, Diamanten).
- Vom Kap nach Kairo: Rhodes‘ Vision einer durchgehenden Bahnverbindung trieb die Expansion voran. Dies führte zu Kriegen gegen indigene Völker (Zulukrieg 1879) und die Buren (1899–1902).
3. Konsolidierung und Höhepunkt (1900–1920)
- Union von Südafrika (1910): Die ehemals verfeindeten Burenrepubliken und britischen Kolonien wurden zu einem Dominium zusammengeschlossen – der Grundstein für das spätere Apartheid-System.
- Erster Weltkrieg: Großbritannien besetzte mit Hilfe afrikanischer Truppen (King’s African Rifles) die deutschen Kolonien (Deutsch-Ostafrika, Togo, Kamerun).
- Größte Ausdehnung: Nach 1918 erhielt Großbritannien Teile dieser Gebiete als Völkerbundsmandate. Das Empire erreichte in Afrika seine maximale geografische Größe.
Wichtige Eckpunkte im Überblick
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1882 | Besetzung Ägyptens | Sicherung des Sueskanals. |
| 1898 | Schlacht von Omdurman | Rückeroberung des Sudans und Festigung der Macht am Nil. |
| 1899–1902 | Burenkrieg | Teurer Sieg um die Kontrolle der Goldminen am Witwatersrand. |
| 1919 | Versailler Vertrag | Übernahme deutscher Gebiete (z.B. Tanganjika). |
Möchtest du mehr über die Rolle von Cecil Rhodes oder die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die afrikanische Bevölkerung wissen?
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3: Knappe Nachträge vor dem Hintergrund der Bemerkungen von Stuchtey: 1. Der Band hat kein Sachregister (wohl aber ein Personenregister – hatte ich das schon erwähnt?): Deswegen kann man nicht die (oft über das Obige hinausgehenden) Erwähnungen Stuchteys zu Afrika nachgucken, von denen es aber zahlreiche im Kapitel 6 gibt. 2. Sie finden diese v.a. auf den folgenden Seiten: 75+, 79, 83++, 86+, 88, 93. + ist meine Kurzform für f., ++ für ff.
6) Indien (II): 1876-1914:
1: China und Indien sind seit Jahrhunderten die beiden „Elefanten“ im planetaren Raum – allein schon von den Bevölkerungsdimensionen her. Deswegen drängen sich für Komparativität nicht irgendwelche Mächte, sondern gerade diese zwei in der bevölkerungsreichsten-höchsten Kategorie auf, was sich plausibel anhört. Natürlich hat das in keinster Weise dazu geführt, dass die kolonialen und imperialen Mächte auf der globalen Stufenleiter ihnen auch nur ansatzweise entsprechende Machtanteile zubemessen hätten. Jeglicher mikroskopischer „Demokratie“-Ansatz war für sie, die „Demokratie-Gebetsmühlen-Absolutisten,“ irgendwie in Wirklichkeit undiskutabel.
2: In zweiter Annäherung stellt sich aber heraus, wie dramatisch diese Vergleichskandidaten voneinander abweichen: 1. Zu der Komponente von 562 relativ autonomen indischen Fürstentümern gibt es in China keinerlei Entsprechung; hingegen gibt es in China eine starke zentrale Dimensionalität (seit Jahrtausenden). 2. Das UK hingegen hatte viel herrschaftlich-globale Erfahrung mit einer dreistelligen Zahl von zumeist kleineren Territorien: Stuchtey hat auf S. 124+ verdienstvollerweise ein dreistelliges Verzeichnis von britischen Kolonien, Dominions, Protektoraten und Mandatsgebieten aufgelistet. 3. Indien hat über Jahrhunderte mit starken Symbiose-Elementen mit dem UK zusammengelebt: Wäre dem nicht so, hätte niemand auf die Idee kommen können, die Königin des UK-Empire als Kaiserin von Indien zu inszenieren. Nicht wenige ausschlaggebende indische Intellektuelle in der „Unabhängigkeitsbewegung“ waren Londoner oder englische Anglophile. In dieser Hinsicht gibt es mit China ebenfalls keine Entsprechung. 4. Die indische Unabhängigkeitsbewegung war (lange Zeit) – so eine These – zu schwach für ihren britischen Großgegner. Deswegen konnte ein Repräsentant des britischen Kolonialregimes (mit wenigen Mitarbeitern) das Land (von Hunderte Millionen Einwohnern) in wahrscheinlich einmaliger Weise kontrollieren. Ohne eine nachgeordnete anglophile indische Intellektuellen-Kaste von wenigen Leuten plus einer nachgeschalteten schwerer zu identifizierbaren Sub-Gruppe wäre das nicht vorstellbar gewesen. Die Abwesenheit von „Demokratie“ war kaum zu überbieten. An dieser Stelle müsste die offenbar dazu passende Art der (einmaligen) indischen Gesellschaftsverhältnisse noch präzisiert werden.
3: Trotzdem bildeten sich zuerst quasi atomar-genuine indische Elemente langsam und eher schwächlich heraus: 1. 1885 wurde der National Congress (in Bombay) gegründet. Positiv kann man ihm anrechnen, dass er von dem Konzept eines einheitlichen Indien ausging. 2. 1892 bezog der 1. indische Abgeordnete für die „Liberalen“ einen Sitz in Westminster (London): Er vertrat die Theorie von „Poverty and Un-British Rule in India“ (1901). 3. 1906 wurde die Muslim League gegründet. Selbst der Google KI-Modus fällt ein vernichtendes Urteil über diese Organisation: Während der „National Congress“ mitunter Kritik an der Kolonialherrschaft äußerte, war die Muslim League eine unheimlich gleichgeschaltete faktisch pro-britische Institution. Das ermöglichte den Briten die Option, per Islam-Ebene den seit Jahrtausenden gewachsenen indischen Subkontingent 1947 unter unvorstellbaren Verlusten auseinanderzuschlitzen.
4: Ende 1911 reiste der amtierende britische König Georg V. (der Enkel von Queen Victoria) nach Dehli, um die Huldigungen der indischen Fürsten entgegenzunehmen. Er gab bekannt, dass die Hauptstadt von Kalkutta nach Dehli verlegt wird. Er inszenierte sich als direkter legitimer Nachfolger der Mogulherrschaft, aber auch als Garant der Einheit des Subkontinents.
(5.5.26)
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