1) Zuerst beginne ich mit prinzipielleren Zusammenhängen, die weit über das kleine vorgenannte Zeitfenster hinausgehen.
2) England, Wales, Schottland und Irland – ein historischer Birds-View zu den Bevölkerungszahlen 1200-2024 (jeweils in Mio.): 1. England begann mit 2-3 und hatte einen relativ kontinuierlichen Wachstumsprozeß (Ausnahme – wie auch sonst in weiten Teilen Europas der Pest-Zeitraum ab 1348) – bis hin zu 58,6 für 2024. 2. Wales begann mit ca. 0,3 und ist heute (2024) bei 3,2 angekommen. 3. Schottland begann mit 0,6-0,8 und ist heute bei 5,5 angekommen. 4. Irland (die Gesamtinsel) fing mit ca. 0,6-0,8 an, hatte den Höchststand 1841 mit 8,2, um heute wieder bis zu (nur) 7,3 hochgekommen zu sein.
3) England, Wales, Schottland und Irland (II) – ein historischer Birds-View zur englischen Aneignungsgeschichte: 1: Wales wurde durch Edward (I) 1284 militärisch erobert und bis hin zu Heinrich VIII. rechtlich und administrativ mit England verschmolzen – walisisches Recht wurde abgeschafft. 2: Scotland war ein erheblich anders gearteter Fall: Es war ein unabhängiges Königreich (bis 1603) und behielt lange Zeit sein eigenes Rechtssystem. Sein einziges koloniales Großprojekt, nämlich ein Handelsprojekt, das den Überlandhandel in Panama zwischen Atlantik und Pazifik beinhaltete, zerschellte (170x) an den (spanischen kolonialen und tropischen) Realitäten und stürzte Schottland in eine tiefe Schuldenkrise. England bot Übernahme der Schulden bei Integration in das vergrößerte „Vereinigte Königreich“ (unter englischer Leitung) an, Schottland sah sich gezwungen zuzustimmen. 3: Auch Irland war ein grob andersgearteter Fall: Es unterschied sich von den vorgenannten Enitäten mit dominierenden protestantischen Wesensmerkmalen durch mehr katholische. Deswegen waren katholische Staaten (wie Spanien oder Frankreich) öfters am Überlegen, ob sie nicht Irland in eine Anti-GB-Koalition einbauen konnten und sie zum Unterstreichen dieser Ziele dort mit Truppen eingreifen sollten.
4) Für GB war jahrhundertelang und ist bis heute typisch, dass hier qualitativ völlig verschiedene Richtungen – wie man global meint – wie die Krone, das Ober- und das Unter-haus trotzdem in flexibilisierte Gesamtzustände aggregiert werden. Das wird mit einem sonderbaren „sentimentalen“ wirklichkeitsentrückten ideologischen (britischen) Überbau vor der Realität geschützt.
5) Über die Royal Navy: Versuchen wir stattdessen einen enger-sachlicheren Zugang: 1: Nachdem die iberischen Kräfte (.es, .por, .papst) 1488 in dem Vertrag von Tordesillas (und Nachfolgeverträgen) die Welt unter die 2 iberischen Weltmächte und das (katholische) Christentum aufgeteilt hatten, zerbrach dieses System unter dem Ansturm solcher Kräfte wie NL wie GB zunehmend. 2. Die britische Royal Navy wurde offiziell unter Henry VIII. gegründet (1546). 01 Zuerst konnte sie von der spanischen Armada (1588) nicht bezwungen werden. 02 In wohl vorsätzlichen 3 See-Kriegen gegen die Niederlande (1652+) hatten sie zwar die freihandelspolitischen Argumente nicht für sich, wohl aber das („überlegene“) Töten in diesen Kriegen. 03 1939 war die „Royal Navy“ immer noch mit über 1400 Schiffen die größte Navy der Welt; mit dem WW2 war die führende Position aber an die US-Navy übergegangen.
6) Etappen der Ausdehnung: 1: Dynastische Erbfolgekriege spielten besonders zu Beginn dieser Periode eine große Rolle. 2: Kriegsbeteiligte auf der Gegenseite waren in den zahlreichen Kriegen vor allem: NL, Frankreich, Spanien, (späterhin) die amerikanisch-englischen Kolonien. Es waren in erster Linie Handels- und Kolonial-kriege, auch jeweils Kriege mit einer eigenen religiösen Dimensionalität – auch innerhalb des protestantischen Lagers, über royalistische und parlamentarische (Misch-)Formen hinweg – bei wenig Unterschieden in der Kolonialpolitik. 3: Zum Ende dieser Periode mehrten sich die Kriege von interkontinentalem Charakter, der siebenjährige Krieg (1756-1763) kann auch als WW0 bezeichnet werden (vor allem unter Beteiligung von GB und Frankreich). 4: GB baute sein Kolonialreich ohne tiefgehende Pläne „opportunistisch“ (im Sinne von Gelegenheiten ergreifend) aus. Stichworte dazu sind: Deutlicher Machtausbau in Indien (Kalkutta 1691+), Schritte zur durchgängigen Beherrschung der nordamerikanischen Ostküste, Anlegen von Gibraltar zur Beherrschung des westlichen Mittelmeers (1704+), erste Schritte der Kolonisierung Australiens (1788+) usf.
7) Institutionen und Faktoren: 1: Faktor London: Daten per KI-Modus – in Mio. Einwohner: 1. Um 1650 wird London mit um die 0,4 bereits als größte Stadt im westlichen Kulturkreis angesehen. 2. 1801 wird mit der 1. offiziellen Volkszählung London mit über 1 als einwohnerreichste Stadt der Welt betrachtet. 3. 1939 wird der historische Höchststand mit mehr als 8 1/2 erreicht. 4. Nach einem relativen Einbruch bis 1991 wird bis 2024 ein neuer historischer Höchststand mit 9,1 erreicht. 5. Es gab historische Rückschläge (Pest, Brandkatastrophe, Rückschlag ab 1939), aber die Stadt ist bis heute ein primäres Weltzentrum in verschiedener Hinsicht, nicht zuletzt in wirtschaftlicher, finanzieller und (multi-)kultureller Hinsicht. 2: Erwähnen möchte ich zu diesem Sub-Kapitel nur noch die sich formierende britische Identität, die Leitbegriffe wie Protestantismus, politische Freiheit und Wohlstandswachstum für sich (zuhause) in Anspruch nahm.
8) Handelsstaat England: 1: Britisches „Seerecht“: Mit den „Navigation Acts„, die das Parlament seit 1651 verabschiedete, wurde der Export von Kolonialwaren in fremde Märkte unter Strafe gestellt. Die protektionistischen Zollgesetze garantierten GB das Importmonopol auf alle tropischen Luxusgüter und deren weltweiten Weiterverkauf. D.h. auch der Handel zwischen den Kolonien wurde blockiert. Das richtete sich nicht zuletzt gegen den bisherigen Schiffbauproduzenten Nr. 1 NL; ein großes alternatives Schiffbauprogramm wurde auch in Glasgow, Boston und in Jamaika aufgelegt. 2: Zucker, Tabak und Baumwolle als primäre Produkte des atlantischen Großhandels wurden bereits erwähnt. Jetzt sind auch noch Kakao und Rum als Großimportprodukte anzufügen. 3: Der britische Handel mit China – es geht v.a. um Tee, Seide, Porzellan und Opium – hatte keinerlei gleichgewichtig-bilateralen Charakter (daher mußte GB in Silber zahlen). Im Falle des Aufzwingens von Opium spielte die Grundidee eine wichtige Rolle, die britische Expansion müsse Gewinne erwirtschaften, um die Kosten der Verteidigung gegen europäische Konkurrenten zu decken. 4: Im Fall von Irland wurden anti-katholische Strafgesetze („Penal Laws“) erlassen, die Exportbeschränkungen für Vieh, Wolle und Leinen aus Irland festschrieben. 5: Die Optik des individuellen, sich selbst überlassenen Handeltreibenden, der eine Politik des persönlichen Profits eingehüllt in einen patriotischen merkantilistischen Mantel der imperialen Nation präsentiert, wurde ein wichtiges Mantra.
(19.3.26)
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