1) Voraussetzungen der Kolonisierung: 1: Die Insellage vor einem umtriebigen Kontinent hatte starke Auswirkungen auf zahlreichen Ebenen, wie man sie in Japan leichter – in einem mehr binnenländisch geprägten Land schwerer nachfühlen kann. Sie führte zu einer ausgeprägten nautischen Lebens-Metaphorik (Staatsschiff, Staatsmann als Steuermann, „wir sitzen im selben Boot“). Die Verse „Rule, Britannia! Britannia rule the waves!“ markierten für Jahrhunderte eine Grundrichtung. 2: Aufschlußreicher Grobüberblick zu Bevölkerungszahlen für 1500 u. Z. (in Klammern für um 1600): 1. Die Weltbevölkerung ≤ 1/2 Mia. (≥ 1/2 Mia.). 2. Portugal wie NL: Jeweils ca. 1 Mio. (1,5 Mio.), d.h. ca. 2 ‰ der Weltbevölkerung. 3. Spanien: 6,5 Mio. (8,5). 4. D.h. die Länder (.es und .por), die im Vertrag von Tordesillas (einvernehmlich mit dem Papst) den Globus in 2 Hälften unter sich aufgeteilt hatten, repräsentierten ca. 1/50 der Weltbevölkerung. 5. Die Zahlen für Britannien sind ≤ 4 Mio. (5,5 Mio.) (die Zahlen angeliefert vom Google KI-Modus wurden noch leicht vereinfacht).
2) Christentum und Handel: 1: In diesem Zeitraum war jeglicher europäischer Kolonialismus zutiefst christianistisch „intubiert“ – d.h. dort bekämpften oder verschränkten sich katholizistische oder protestantistische Entitäten – und zwar zahlreiche – je nachdem welche Region oder gesellschaftliche „Waffengattung“ (auch z.B. Orden) man in den Blick nimmt, d.h. wir müssen auf eine innige, vielgestaltige praktische Kompatibilität des Christianismus mit dem Kolonialismus von Beginn an hinweisen. 2: Britain (wie auch NL) sahen sich mit dem Weltherrschaftsanspruch der 2 iberischen Großmächte konfrontiert. Damals waren „Raum & Zeit“ noch kraß und systembildend anders als heute. Die „Weltherrscher“ waren wenige und sie waren (oft) weit voneinander entfernt und ihr Netz war noch extrem grobmaschig. 3: London spielte im 16. Jahrhundert oft gerne ein Doppelspiel zwischen Annäherungsversicherung an Spanien und mehr oder weniger mit Kumpanei mit anti-iberischen Kaperaktionen (wie z.B. durch Francis Drake). 4: Das 17. Jahrhundert schob sowohl die NL wie auch Britannien in den Vordergrund: Kernvorgänge waren die Gründung der EIC (East India Company/1600+ in Britain) und der VOC (Ost-indische Compagnie/1602+ in NL). Das waren Handelsgesellschaften, die sich Monopole auf Güter ihrer Wahl sicherten (vornehmlich Gewürze), die sie nach Europa importierten. Sie verfügten über Garantien, sich mit eigenen Streitkräften bewaffnen und strittige Rechtsangelegenheiten selber lösen zu dürfen. Im 16. Jahrhundert bauten sie ein Stützpunktsystem mit einem Gravitationszentrum indischer Subkontinent auf, wenngleich dieses im frühen Empire gegenüber Amerika noch nachrangig war. 5: Anglikanische Theologen und Ideologen führten für die Kolonisierung Nordamerikas an: Die Verpflichtung zur religiösen Missionierung, wirtschaftliche Vorteile (das Anlegen von Pflanzungen, Import von Fisch, Pelzen und Holz), die strategische Schwächung Spaniens wie auch die Suche nach der Nordwestpassage (via Indien und China).
3) Seefahrt und Siedlung: 1: Seefahrt (im transatlantischem Aufbau): 1. Vor der Zeit Elisabeths I. (1558-1603) wurden noch keine regelmäßigen transatlantischen Routen geschaffen. 2. Das 16. Jahrhundert sah enorme Versuche – besonders schon seit Henry VIII. (1491-1547) – das Arsenal von Schiffen und Kriegsschiffen und der Ausstattung von Schiffen etwa mit Kanonen zu vervielfachen. Das katholische Spanien konnte als aktueller Weltmacht Nr. 1 das protestantische Britannien trotz gewaltigster Anstrengungen (z.B. per Spanischer Armada 1588) nicht unterkriegen, wenngleich es die britischen Spielräume limitierte. Hinzukommt: Zwischen 1450 und 1600 waren die NL nicht nur der Schiffstypeninnovator Nr. 1 sondern auch ein navaler Schnellproduzent. 2: (Amerikanisch-überseeische Ostküsten-)Siedlungen: Stichworte dazu sind: Neufundland (1583), die Insel Roanoke (1585/heute in North Carolina), Virginia (1607). 3: In dieser Frühperiode war das Risiko riesengroß: Viele (die Mehrheit?) starben bereits auf der Überfahrt. „Humane“ finanzielle Überfahrtkonditionen waren kaum zu finden. Unter den Überfahrergruppen fanden sich religiöse Extremgruppen wie z.B. die „Pilgerväter“ (nach eigener Wahrnehmung von Gott ausgewählt), die große Probleme hatten, sich in Europa irgendwo zu integrieren und so zu einem breiten Potpourri von religiös-ideologisch aufgeladenen Ausrichtungen – darunter auch religiös-toleranteren – an der neuenglischen Ostküste beitrugen.
4) Englische Kolonisierung: 1: Insgesamt schätzt man die Zahl der englischen Auswanderer nach Amerika im 17. Jahrhundert auf 300 000, die der Iren auf 40 000. Überwiegend verarmt, gingen sie zwar freiwillig, aber gehorchten der Not. Die üblichen Kosten für die Überfahrt entsprachen einem Jahreslohn, wobei sie für die Kostenübernahme ein mehrjähriges Verhältnis von Arbeitsverpflichtung bzw. Zwangsarbeit eingehen mußten, verbunden mit der Hoffnung, danach eigenes Land erwerben zu können. 2: An der Ostküste mußten sie sich an englisches Recht halten und sie bauten englische Verhältnisse mit einem Governor, einem Rat und einer legislativen Versammlung nach. 3: Ab 1623 fingen die Engländer an, erste Karibikinseln für sich zu reklamieren. 4: Die ersten 3 Exportrenner waren Tabak, dann Zucker (beide noch ab dem 17. Jahrhundert), dann Baumwolle.
5) Der atlantische Raum: 1: Die Einflußfaktoren auf die Herrschaft in England, Schottland und Irland waren viele: 1. In England gab es erstmal die Krone, das Oberhaus wie das Unterhaus. Es gab ein Spektrum von katholischen wie protestantischen Königen, die sich unterschiedlich in ihren Religionen verorteten. Längerfristig verlor die Bedeutung der Krone an Gewicht – auch ein und derselbe Monarch konnte während seiner Lebensphasen sehr unterschiedliche Perioden durchlaufen. 2. Das Unterhaus gewann insbesondere im englischen Bürgerkrieg unter Oliver Cromwell (1599 – 1658) stark an Gewicht. Er war ein religiöser puritanischer Fanatiker, sowohl Töter von einzelnen Personen (katholischer König) als auch Massenmörder in Irland. Seine Matrosen brachten Jamaica von der spanischen (1509+) unter die englische Kolonialherrschaft (1655+). Er schloß die Presbyterianer (die Mehrheit) gewaltsam aus dem Parlament aus und durchlief Schritte, bis er als purer Diktator endete. Er war Vertreter einer radikalen anti-katholischen wie anti-spanischen Linie. 2: Bis in die 1660er-Jahre wurden sämtliche karibischen englischen Kolonien von Tabak- auf Zuckerrohr-produktion umgestellt, was sich als eine Größenordnung lukrativer herausstellte und was die Engländer von den Niederländern übernommen hatten. 3: Damit sollte der Einsatz von Sklaven nach oben schießen. Die ersten afrikanischen Sklaven wurden in Cuba eingesetzt (1505+), der massenhafte Import entwickelte sich rund 150 Jahre später – im Zuckerrohr-Kontext. Als erster englischer Sklavenhändler (1562+) gilt „Sir“ John Hawkings (1532 – 1595), der auch als Entwickler des „Dreieckshandels“ gilt. 4: Eine zunehmend verflochtene transatlantische Handelswelt hatte sich herausgebildet, wo zusätzlich noch Rum, Tabak und Kaffee eine große Rolle spielten – die nordamerikanischen Kolonien spielten hier nur eine nachrangige Rolle. Gewinner waren .en, .nl und .fr, Verlierer war .es, die nur noch Cuba beherrschten. 5: In diesem gigantischen Transferraum von Migration waren: 1. 70 % (1600 – 1800) afrikanische Verklavte. 2. typische englische Immigranten zwar keine Sklaven, aber so weit war ihr Status nicht davon entfernt. Ihre Lebenserwartung konnte sogar geringer sein.
6) Folgen: 1: Epidemiologische – der Med-Impact: 1. Der Autor unterscheidet 3 Wirkungsgrade: 01 Die europäische Einwanderung hatte verbreitet genozidale Folgen auf die indigene Bevölkerung, weil die Abwehrkräfte gegen bestimmte gesundheitliche Bedrohungen fehlten. 02 Die europäischen Zuwanderer hatten auch Anpassungsprobleme, mitunter tödliche – besonders ausgeprägt in der Karibik. 03 Die geringsten klimatischen Probleme hatten die Ex-Afrikaner. 2. Eine wirklich wissenschaftliche und aktuelle Belegkultur wäre hier wünschenswert. 2: Gegen 1700 hatten sich die Kräfteverhältnisse zugunsten des kommenden Großbritanniens verschoben, was sich auch darin spiegelte, dass die Gründung der Londoner privaten Aktienbank (1694+) die Ablösung von Amsterdam als bis dahin wichtigstem Finanzzentrum signalisierte.
7) Neuengland 1656: 1: An dieser Stelle treffen wir erstmalig auf das die meisten Kapitel abschließende gewöhnlich stark geographisch geprägte und zum Kapitel passende „Schlaglicht“ – vielleicht ungewöhnlich, aber kreativ und führt neue Dimensionalitäten in das Kapitelthema ein. 2: Kulturtransfer von Weizen auf Mais: In der nördlichsten Ostküstenregion (nördlich von NYC bis zur kanadischen Grenze) wuchs der mitgebrachte Weizen der Kolonisten nicht an. Man übernahm daraufhin den von den Indigenen betriebenen Maisanbau!
(27.2.26) (4.3.26)
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