I. „Kolonisation“ und „Kolonien“ (S. 7-18)

1) Wenn Sie sich die verlinkte Karte angucken (https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialismus#/media/Datei:World_1898_empires_colonies_territory.png), dann werden Sie leichter nachvollziehen können, dass die koloniale Welt von unzähligen Variablen auf verschiedenen Seiten abhängig war. Sie war stark geprägt von spontanen Reaktionsweisen, starken Veränderungen im historischen Verlauf – also ein vielfach unübersichtlicher und uneindeutiger Tausendsassa. In diesem Buch muß natürlich reihenweise zu gewissen sinnvollen Vereinfachungen gegriffen werden.


2) Um einen sehr kurzen Überblick zur logischen Struktur dieses Kapitels
zu geben, übergehe ich den einleitenden Teil, quasi die „Anmoderation“ ganz (S. 7+) und steige mit dem grundlegenden Teil zu den 6 Hauptformen von Expansionsvorgängen (S. 8-15) ein (s.u.). Dann folgen Überlegungen zum Verhältnis von „Kolonisation“ und „Kolonie“, welches nicht trivial ist (Beispiel Kolonisation ohne Koloniebildung). Im Anschluß wird eine Definition der Kategorie „Kolonie“ angeboten (16). Schlußendlich werden aus 6 Hauptformen von Expansionsvorgängen 3 Haupttypen von Kolonien destilliert (17+).


3) 6 Hauptformen von Expansionsvorgängen:

  1. Totalmigration ganzer Völker und Gesellschaften (Exodus ohne Muttergesellschaften zu hinterlassen, daher nicht als Kolonie zu qualifizieren). Hier scheinen mir überzeugende Beispiele in den letzten Jahrhunderten Mangelware zu sein: Viele unterbreitete Beispiele passen in wesentlichen Hinsichten nicht besonders. Sollte man diese Kategorie irgendwie mehr an der Empirie orientiert und vielgestaltiger neu ableiten?
  2. Massenhafte Individualmigration
    (als klassische „Auswanderung“ im weitesten Sinne): Hier ordnen die Autoren nicht nur die klassische europäische Auswanderung in die Neue Welt ein, sondern auch den Sklavenhandel, den „coolie trade“, sowie die Ansiedlung von Indern in Afrika wie in der Karibik.
  3. Grenzkolonisation: Beispiele dafür sind die historischen Westverschiebungen der „frontier“ in Nordamerika oder die Eisenbahnkolonisierung zur Erschließung des asiatischen Rußland seit dem späten 19. Jahrhundert.
  4. Überseeische Siedlungskolonisation: Sie ist eine Sonderform der Grenzkolonisation, die aber große Distanzen zum eigentlichen Mutterland aufspannt. Erste Vertreter waren die mittelmeerischen griechischen und phönizischen „Pflanzstädter“. 3 Typen sind zu unterscheiden: 1: Der
    nordamerikanische Typ, wie er um 1750 nur dort existierte, später auch in Australien und Neuseeland – und gegen den Widerstand der indigenen Bevölkerung durchgesetzt wurde. 2: Der „afrikanische“ Typus: Eine weiße Siedlerminderheit kann eine bereits ackerbautreibende Mehrheit zwar dominieren, bleibt aber auch von ihr abhängig. 3: Der „karibische“ Typ, die Plantagenökonomie: Er beginnt mit Vertreibung und Vernichtung der Urbevölkerung, Zwangsimport von Sklaven und deren Beschäftigung in großbetrieblich organisierter Plantagenökonomie.
  5. Reichsbildende Eroberungskriege: 1: Die „römische“ als die klassische Form. Das Zentrum (Rom) blieb immer das Zentrum. 2: Die arabisch-muslimische Expansion führte rasch zur Aufspaltung in partikulare Unter-Reiche. 3: Das mongolische Weltreich Dschingis Khans zerfiel schnell in mehrere Nachfolgegebilde. 4: Das British Empire bestand in Wirklichkeit aus 3 sehr unterschiedlichen, nur lose verknüpften Bestandteilen: Den white Dominions, den abhängigen Kolonien („dependencies“) sowie dem „Kaiserreich“ Indien. Letzteres war Produkt eines militärischen Imperialismus, einer Kolonialherrschaft ohne Kolonisation.
  6. (Maritime) Stützpunktvernetzung: Die Landnahme begrenzt sich (zumeist) auf kleinere, am besten durch die Marine gut zu verteidigende kleinere Stützpunktterritorien, bevorzugt sind Inseln oder Halbinseln. Zweck ist die Sicherung einer weitläufigen Handelshegemonie. Beispiele sind das Seereich der Republik Genua, dann die auf größerem Maßstab und planmäßiger angelegten Kaufmannsimperien der Portugiesen (Mozambique, Goa, Malakka, Macau) und der Niederländer (Batavia, Ceylon, Nagasaki). Als im 18. Jahrhundert das Zeitalter der Weltpolitik begann, kamen (bei den Briten) militär- und global-strategische Überlegungen hinzu (Malta, Zypern, Alexandria/Suez, Aden, Kapstadt, Gibraltar sowie die „Hafenkolonien“ Singapur und Hongkong).


4) Die dort genannten 3 Hauptformen von Kolonien, die detaillierter beschrieben werden, sind 1. Beherrschungskolonien 2. Stützpunktkolonien 3. Siedlungskolonien (unterteilt in den nordamerikanischen, „afrikanischen“ und „karibischen“ Typ (17+)).


(23.7.25) (25.7.25) (29.7.25)


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