418-429: 1. Größere Rückbezüge zu Taiwan finden Sie in den Kapiteln 12, 29, 31, 38 und 45, kleinere an reichlich weiteren Stellen. 2. Die VR China besteht bei der Aufnahme diplomatischer Beziehungen auf der Zustimmung zum „Ein-China-Prinzip“; Ende 2021 hatten von 193-UN-Staaten 180 Staaten das getan (Tendenz steigend). 3. Die gemeinsamen wirtschaftlichen und technologischen Revolutionen der letzten Jahrzehnte haben diese alten politischen Ausschließlichkeiten aufgeweicht und durch neue Realitäten, einen Prozeß der „suboffiziellen“ Integration (Schubert/2014 in „Länderbericht China“/390) nicht nur auf wirtschaftlicher sondern auch auf sozialer und kultureller Ebene ersetzt. Reichlich Taiwanesen haben sich in China eine Existenz aufgebaut und kehren nur noch besuchsweise nach Taiwan zurück; immer mehr Festlands-Chinesen sind auch in Taiwan aktiv. Wird das zu zunehmender politischer Entspannung (1), Inkorporierung in den chinesischen Staat nach dem Hongkong- und Macao-Prinzip „Ein Staat – zwei Systeme“ (2) oder zu einem friedlichen Miteinander zweier souveräner Entitäten vielleicht im Rahmen eines konföderalen Arrangements (3) führen? 4. Xi Jinping thematisiert die Problemlage in seinen Beiträgen oftmals, gewöhnlich auch sehr pragmatisch, und er favorisiert natürlich die Variante (2). 5. Miller schaut aber durch ein ganz anderes „Fernrohr“: Auf den meisten Seiten seines Kapitels diskutiert er (sehr viele!) militärische Szenarien, gewöhnlich chinesische Angriffsszenarien. Die UK-US-Fraktion hat in den letzten 200 Jahren eine dreistellige Zahl von Kriegen zu verantworten, aber wieviele hat China zu verantworten? Der Begriff „Dilemma“ in der Überschrift ist dabei so zu verstehen, dass China in einer solchen Festlands-nahen Auseinandersetzung natürlich gute militärische Karten hätte – und zwar wachsend gute Karten in der letzten Vergangenheit und in der absehbaren Zukunft. 6. Die Hauptgefahr stellen die USA dar, deren aggressive Neocons keinen „Rückwärtsgang“ kennen (Mercouris/London), insbesondere nicht, wenn unter den zahlreichen Toten keine US-Amerikaner zu erwarten sind (sind die Taiwanesen bereit, als Kanonenfutter der USA zu enden?). Das chinesische Militär dürfte vor allen Dingen dann tatsächlich eingreifen, wenn die USA und die US-Armee rote Linien überschreiten sollten. 7. Der TSMC-Vorstand Mark Liu antwortete auf eine Reporterfrage (15.7.21) (laut Miller), „dass jeder eine friedliche Formosastraße wünscht“ und dass es keinen Grund zur Sorge gäbe. 8. Umgekehrt: Würde es tatsächlich zu einem nicht endenwollenden Vernichtungskrieg an der Formosastraße kommen, so wäre die Weltwirtschaft unabsehbar schwer beschädigt. Die möglichen Verursacher-Kräfte sind vor allem unter den (nicht unbekannten) notorischen Extrem-Sanktionierern zu suchen.
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