Wie schwierig ist es, sich WordPress anzueignen?

Erste Überlegungen zu dieser Frage vor dem Hintergrund von Peter Müller´s 6. Auflage von „Einstieg in WordPress 6“ (1-2/2025)


1) Die Voraussetzungen für den Einstieg in dieses Buch sind sehr niedrig. Annette Schwindt und Peter Müller tragen mit einem kurzen Überblick zum Buch auf nur 4 Seiten (ab S. 25) zur Erstorientierung bei. Ich möchte die Akzente etwas anders setzen.

2) Die Bedingungen, um nach den eigenen Vorstellungen diese Software in den Griff zu bekommen, werden den „Einsteiger“ lange beschäftigen. Dieses Thema werde ich gleich noch differenzierter aufpuzzeln. Als Anmoderation mögen hier die folgenden Hinweise ausreichen. Ich blättere jetzt bewußt durch den hinteren Teil des (ausführlichen) Inhaltsverzeichnisses:

  • Man wird sich mit den Themen Header, Footer und Navigation auseinandersetzen müssen. Die Antworten dazu findet man im Kapitel 14 ab S. 359 (!).
  • Ohne das Thema Plugins wird es auch nicht gehen: S. dazu das Kap. 17 ab S. 433. (Von den aktuell 59000+ freien WordPress-Plugins hat sich Müller schon drastisch auf nur 7 dort beschränkt.)
  • Ohne Backups wird es (über kurz oder lang) auch nicht gehen: S. dazu das Kap. 19, ab S. 491 (!).

Diese Liste ließe sich problemlos noch verlängern. Eine Schlußfolgerung ist: Wenn einem nach den ersten 300 Seiten die Lesepuste ausgeht, ist man in einer unglücklichen Situation. Man sollte weder den zeitlichen noch den inhaltlichen Aufwand zur Aneignung von WordPress unterschätzen (oder ausblenden).

3) Das Spektrum der Leserschaft – wie auch das Spektrum der WordPress-Community – darf als sehr heterogen angenommen werden. Wenn man als Lehrer ein Curriculum für den Unterricht entwickelt (also eine Art sehr differenzierte Unterrichtsplanung), dann kann die Zielgruppe auch sehr heterogen sein, aber die Schüler haben gewöhnlich ein ähnliches Alter und sind in derselben Klasse, die Gruppe ist auch vergleichsweise klein. Die Heterogenität der WP-Buchleserschaft sprengt die der Unterrichtsverhältnisse komplett. Von didaktischen Studien über diese WP-Zielgruppe habe ich noch nichts gelesen. (Ein mögliches Ergebnis könnte sein: Es gibt vielleicht nur wenige große WP-Lerngruppen und im Buch könnte man versuchen, diesen wenigen Gruppen jeweils (teilweise) spezifischen Content anzubieten.)

4) Didaktisch ist es eine große Hilfe, wenn sich der Stoff (zumindestens halbwegs) dazu eignet, ihn in kleinen Portionierungen sinnvoll (nacheinander) zu strukturieren. Müller hat sehr viele Schritt-für-Schritt-Anleitungen eingebaut, die man einfach nur nachmachen muß, wo man gewissermaßen „durchatmen“ kann. Bei WordPress gibt es aber m.E. eine entgegengesetzte Sachlage, sozusagen eine Art „Ganzheitlichkeitsdruck„, was die obigen Beispiele auch illustrieren sollten. Das heißt, ohne die Bereitschaft, erheblich Zeit und Grips in WordPress zu investieren, wird sich keine erfolgreiche Situation einstellen.

5) Hinzukommt kommt noch, dass sich WordPress pro Jahr erheblich weiterentwickelt. WordPress ist vielleicht bereits vor dem Hintergrund einer bedeutenden globalen (Entwickler-)Community in dem Stadium einer Art Kettenreaktion (chain reaction) angekommen. Sehr aufschlußreich sind dazu die folgenden Beiträge von Peter Müller:

Es ist auch irgendwie erholsam, von dem Buch-540-Seiten-Ozean die Perspektive und Portionierungsgröße zu wechseln! Es lenkt zudem den Blick auf viele große Grundstrukturen.

6) Was ist für mich die Krux: WordPress ist eine erhebliche dynamische Herausforderung. Optimalerweise sollte man reichlich Zeit (pro Monat) vorsehen – am besten ohne die Vorstellung von einem Lernende überhaupt. Die Beschäftigung sollte man als IT-Lebensqualität einstufen. Auf diesem anspruchsvollen Wege kenne ich keine bessere Wegbegleitung als den „Peter-Müller-Kosmos“.


(9.3.25/17.3.25)


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